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Stereo-Mikrofontechniken
... eins links, eins rechts, ...nicht fallenlassen!

Werden bei der Nahabnahme von Klangquellen meist nur einzelne Mikrofone benutzt, so erfordert die gemeinsame Aufnahme mehrerer Klangquellen die Verwendung einer Mikrofontechnik, die es erlaubt, die räumliche Anordnung der Klangquellen zu differenzieren. (Allerdings ist eine Stereo-Aufnahme auch bei einzelnen Klangquellen sinnvoll, da sie ja eine räumliche Ausdehnung besitzen. Bei einer Mikrofonabnahme mit einem einzelnen Mikrofon wird diese auf einen winzigen Punkt reduziert. Dieser Sachverhalt wird häufig übersehen und damit auch vernachlässigt.) Dabei kommen meist verschiedene Stereo-Mikrofontechniken zur Anwendung. Die drei verbreitetsten Techniken sollen im folgenden kurz erläutert werden:

Die X-Y-Technik

Bei der X-Y-Technik werden zwei Richtmikrofone (meist eine Form der Niere) so angebracht, daß die Membranen knapp übereinander angeordnet sind. Die Mikrofone werden auf die linke und die rechte Seite des Ensembles ausgerichtet.

Je größer der Öffnungswinkel zwischen beiden Mikrofonen ausfällt, bzw. je stärker die Richtwirkung der Mikrofone ausgeprägt ist, desto weiter wird die Stereo-Darstellung ausfallen. Die Abbildung der Mitte ist leider von einem leichten Höhenabfall gekennzeichnet, da die Richtwirkung der Mikrofone für hohe Frequenzen ansteigt und keines der beiden auf die Mitte ausgerichtet ist. Die Mikrofonanordnung stellt die Position der Klangquellen mittels Intensitäts- bzw. Pegeldifferenzen dar. Da Laufzeitunterschiede bei dieser Mikrofontechnik nicht zur Stereo-Darstellung verwendet werden, ist dieses Verfahren völlig monokompatibel. Da das Gehör jedoch nicht nur mit Amplituden, sondern auch mit Laufzeitunterschieden arbeitet, werden Aufnahmen in dieser Technik jedoch eher etwas “unspektakulär” empfunden. Ähnliches gilt auch für die nun folgende M-S-Technik.

Die M-S-Technik

Die M-S-Technik ähnelt der X-Y-Technik in der Hinsicht, daß die beiden Mikrofonkapseln wiederum dicht übereinander angeordnet werden. Die Stereodarstellung basiert auch hier auf Intensitätsunterschieden zwischen den verwendeten Mikrofonen. Bei dieser Technik wird allerdings zwischen Mitten (M)- und Seitensignal (S) unterschieden. Für das Mittensignal kann eine beliebige Richtcharakteristik zur Anwendung kommen. Das Seitensignal wird von einem Mikrofon mit Achter-Charakteristik aufgenommen.

Das eigentliche L-R-Stereosignal entsteht erst durch Summen- und Differenzbildung der beiden Signale:

L = M+S // R = M-S.

Die Summen- und Differenzbildung läßt sich auch mit einem einfachen Mischpult realisieren: Das S-Signal wird dabei auf zwei Kanäle im Mischpult geführt, von denen einer in der Phase gedreht wird. Während die Panorama-Regler in der Mitte stehen, werden beide Kanäle so eingepegelt, daß das Signal völlig verschwindet. Anschließend werden die Panorama-Regler ganz nach links und rechts gedreht. Schließlich wird das Mittensignal hinzugemischt. Ein großer Vorzug der Technik ist die uneingeschränkte Monokompatibilität, die sich auch mathematisch leicht nachweisen läßt:

Mono = L+R = (M+S) + (M-S) = 2M

Ein weiterer Vorzug der M/S-Technik besteht darin, vom Mischpult aus die Basisbreite des Stereosignals durch einfache Veränderung der Signalanteile von Mitten- und Seitensignal zu variieren. Werden Mitten- und Seitensignal getrennt auf ein Mehrspurband aufgezeichnet, so läßt sich diese Abstimmung sogar noch bei der Mischung vornehmen!

Die Genauigkeit der Stereo-Darstellung ist exzellent. Die Stereo-Breite wirkt bei korrekter (d. h. gleichmäßiger) Addition von M- und S- Signal allerdings eher etwas eng. Eine leichte Anhebung tiefer Frequenzen im Seiten-Signal und eine korrespondierende Absenkung im Mitten-Signal mittels eines Shelving-Equalizers kann zur Verbreiterung der Stereo-Darstellung genutzt werden.

Die A-B-Technik

Die A-B-Technik basiert zusätzlich zu den Intensitäts- vor allem auf den Laufzeitunterschieden der Schallinformationen zu den beiden Stereo-Mikrofonen. Sie wird deshalb auch als Laufzeitstereofonie bezeichnet. Die Mikrofone (sämtliche Richtcharakteristiken sind möglich, meist wird die Kugelcharakteristik verwendet) werden für eine optimale Stereo-Darstellung großer Klangkörper häufig im Abstand von etwa 1,5 m aufgestellt und parallel zueinander auf das Ensemble ausgerichtet. Um das dabei entstehende "Loch in der Mitte" zu vermeiden, wird teilweise ein drittes Mikrofon in der Mitte angeordnet und beiden Kanälen gleichmäßig zugemischt.

Aufnahmen mit dieser Technik besitzen einen starken räumlichen Eindruck (bei Verwendung von nur zwei Mikrofonen jedoch zur Übertreibung neigend). Der größte Nachteil dieser Technik liegt in ihrer eingeschränkten Monokompatibilität, da die Phasenunterschiede vor allem bei tiefen Frequenzen zu Kammfiltereffekten führen..

Es gibt noch eine ganze Menge weiterer (meist leicht abgewandelter) Techniken, die hier nicht umfassend erläutert werden können. Die bekanntesten unter ihnen sind die ORTF-Technik (zwei Nierenmikrofone im Abstand von 17 cm und mit dem Öffnungswinkel von 110° - gute Abbildung und Stereo-Darstellung), die OSS-Technik bzw. Jecklin-Scheibe (zwei Kugelmikrofone werden im Abstand von 16,5 cm voneinander angeordnet und sind durch eine gedämpfte Scheibe mit 28 cm Durchmesser voneinander getrennt) und natürlich - als Versuch, das Geschehen in dreidimensionaler Weise einzufangen - die Kunstkopftechnik (zwei Mikrofonkapseln werden an der Stelle der Ohren in einem künstlichen Kopf angeordnet).